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Manifesta 16 Ruhr

Kunst in leeren Kirchen und ein Plagiats­skandal

Die europäische Wanderbiennale ist seit dem 21. Juni im Ruhrgebiet. Bottrop macht ab August mit.

Vom 21. Juni bis zum 4. Oktober 2026 findet die Manifesta 16 Ruhr statt, verteilt über zwölf leerstehende Nachkriegskirchen in den vier Gastgeberstädten Duisburg, Essen, Gelsenkirchen und Bochum. Der Eintritt ist frei. Das Konzept ist ehrgeizig: Die Biennale will neu imaginieren, wie ehemalige Kirchengebäude als Orte des bürgerschaftlichen Lebens und der Gemeinschaft funktionieren können.

Kurz gesagt: Was macht man mit 40.000 Kirchen, die Deutschland demnächst nicht mehr braucht? Die Manifesta hat eine Antwort. Sie lautet: Kunst rein, Türen auf, Gemeinde neu erfinden.

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Kirchenbänke als Zankapfel und eine Künstlerin am Rande des Nervenzusammen­bruches

Kaum war die Biennale eröffnet, sorgte ein Plagiatsstreit für Aufruhr. Die Bochumer Künstlerin Dorothee Bielfeld erhebt schwere Vorwürfe gegen Nasan Tur, dessen Arbeit „Elevation“ in der Essener Kirche St. Gertrud zu sehen ist. Tur hat Kirchenbänke senkrecht aufgestellt und lässt dort Texte einschnitzen, die er zuvor vom Publikum und über einen Online-Aufruf gesammelt hat.

Bielfelds Arbeit „Aufrichten“ von 2010, entstanden für das Kulturhauptstadtjahr Ruhr.2010, umfasste 29 hölzerne Kirchenbänke, ebenfalls aufrecht positioniert. Der Effekt war laut Bielfeld wie in einem Wald zu stehen. Auch ihr Werk enthielt eine partizipative Komponente: Besucher konnten Zettel mit ihren Gedanken in Rohren in den Wänden versenken.

Sie gab an, sie sei absolut am Boden gewesen, als sie Bilder von Turs Arbeit sah. Noch keine Stunde nach der Entdeckung habe sie die Manifesta kontaktiert und die Entfernung des Werks verlangt. Tur wies die Vorwürfe als falsch und haltlos zurück.

Die Manifesta räumte zwar oberflächliche visuelle Ähnlichkeiten ein, stellte sich aber hinter die kuratorische Einschätzung von Leonie Herweg und René Block, die Turs Werk als künstlerisch eigenständig bewertet hatten.

Tur verweist zudem darauf, dass aufgerichtete Kirchenbänke im Kunstraum keine Erfindung von Bielfeld seien. Jonas Burgert und Ingolf Keiner hatten bereits im Jahr 2000 in der Berliner Parochialkirche Kirchenbänke vertikal aufgestellt, Michael Bowdidge 2007 in England. Der Fall ist verwickelt. Wer am Ende Recht bekommt, werden die Anwälte klären. Oder die Kunstgeschichte. Oder beide.

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Bottrop macht mit: „Aufatmen“ in St. Franziskus

Offizielle Gastgeberstadt ist Bottrop bei der Manifesta 16 nicht, und doch drängt sich die Stadt mit eigenem Ton ins Programm. Im Rahmen des Manifesta-16+-Programms, das bewusst die Ränder stärkt, nutzt Bottrop die Bühne für eine leise, aber selbstbewusste Intervention.

Ab dem 1. August (Vernissage ab 14 Uhr) übernimmt das Künstlerkollektiv Bottrop die St. Franziskuskirche und bespielt den sakralen Raum bis zum 20. September 2026. „Aufatmen“ heißt das Projekt, und der Titel ist mehr als nur wohlklingend: Er setzt einen Kontrapunkt zur oft überhitzten Biennale-Dramaturgie.

In der denkmalgeschützten Kirche in Bottrop-Welheim trifft kontemplative Architektur auf zeitgenössische künstlerische Positionen. Sieben Wochen lang wird hier nicht nur ausgestellt, sondern auch hinterfragt: Wie viel Ruhe verträgt die Kunst? Und wie viel Kunst braucht der Raum?

If you’re going to St. Franziskus,
Be sure to wear some flowers in your hair.

Eintritt frei. Hingehen. Aufatmen.

Weitere Infos: https://www.kollektiv-bottrop.de/

Udo Schucker

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