Im Zeichen des Gambrinus
Die 24. Bottroper Kneipennacht findet am 7. November 2026 im Zeichen des Gambrinus statt.
Eine Replik der einst vom Giebel des Gambrinus-Hauses an der Hochstraße 14 gestürzten königlichen Sagengestalt steht seit einigen Jahren an der Gastromeile und prostet dort den bierseligen Nachtschwärmern zu.
Die Statue des sagenumwobenen Erfinders des Bierbrauens erinnert unter anderem an Bottrops erstes Bierkellerlokal von 1894. Das Gebäude trug bereits früher den Namen „Restauration zum Gambrinus“ und beherbergte zeitweise auch einen Kinematographen. Hier wurden ab etwa 1914 Filme vorgeführt. Der Bottroper Gastronom Theodor Beulmann eröffnete im Gambrinus-Keller quasi Bottrops erstes Kino. Mit seinem „Bottroper Welt-Theater“ war er einer der Ersten, die in Gasthäusern Filme vorführten.
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Vom Kupferkessel zum Green Sky
Gerüchten zufolge eröffnete bereits 1951 im Gambrinus-Keller an der Hochstraße 14 Bottrops erste Bar. In den 1960er-Jahren folgte die Diskothek „Green Sky“. Hier traten auch Bands auf. Der Gambrinus-Keller war praktisch Bottrops Version vom legendären Liverpooler „Cavern Club“.
Ich kann mich noch recht gut an das längliche, teilweise stuckverzierte, weiße Gewölbe des Kellers erinnern. Mit 16 Jahren bin ich dort zufällig mit einem Freund gelandet. Mein erster und letzter Besuch.
Meine Nacht bei Waltraud*
Die Story beginnt in der Gaststätte „Kupferkessel“. Die Kneipe befand sich am Anfang der Prosperstraße und wurde 1976 abgerissen. Ein riesiger Kupferkessel hing über dem Eingang. Fenster gab es keine. Die Inneneinrichtung war eher rustikal und von viel Holz geprägt. Der Schuppen hatte ein gewisses Image: leichte Mädchen, harte Kerle und viele Fußballer. Nun, als wir gegen 4 Uhr morgens an der Theke saßen, war von diesem Image nicht viel zu sehen. Tote Hose.
Die Wirtin, Waltraud hieß sie, glaube ich, meinte: „Jungs, ich mach zu. Wenn ihr wollt, nehme ich euch mit zum Gambrinus.“
Wir wollten. Waltraud führte auch die Diskothek „Green Sky“ im Gambrinus-Keller. Die Disko hatte einen Ruf: Zu vorgerückter Stunde trafen sich dort „20.000 Jahre Sing Sing“. Ein Spruch in Anlehnung an den gleichnamigen Gefängnisfilm von 1932. Wir waren auf alles gefasst und standen unter dem Schutz von Waltraud.
Vorsicht Stufen
Schon der schmale Eingang, eher ein Einstieg, hatte etwas Verruchtes und erinnerte an die Flüsterkneipen während der Prohibition. Man musste den Kopf einziehen und ein paar steile Stufen hinabsteigen, um in den Untergrund zu gelangen. Und der Untergrund war rappelvoll. Man traf Zuhälter, stadtbekannte Schläger, Subunternehmer und jede Menge alkoholisierte Kerle. Frauen gab es kaum.
Peter und ich blieben direkt an der Theke hängen, die sich rechts vom Einstieg befand. Wir versuchten erst gar nicht, uns durch das lang gezogene Gewölbe zu tasten. Schließlich wollten wir niemandem auf die Füße treten.
Direkt nach unserem ersten Schluck Bier prügelte ein bekannter Bottroper Faustkämpfer namens Schmelzer auf einen ebenfalls bekannten Subunternehmer ein. Zwei blutige Nasen später tranken die beiden wieder ein Bier miteinander. Der Subunternehmer spendierte eine Thekenrunde, und mein Kumpel Peter und ich waren einbegriffen. Der Sub gab mir auch seine Karte, falls ich einmal einen Job bräuchte. Drei Jahre später hatte ich bei ihm einen Studentenjob im Eisenbahnschwellenbau.
Gegen sechs Uhr morgens leerte sich der Keller. Peter und ich blieben bis zum Schluss an der Theke, um einige zwielichtige Kontakte reicher. Kurze Zeit später schloss das „Green Sky“ für immer.
Lokalhistoriker macht eine Entdeckung
Mit dem Abriss des Gebäudes im Jahr 1975 oder 1976 verschwand auch die Bierkönigsfigur auf dem Giebel. Bis rund vier Jahrzehnte später ein Bottroper Lokalhistoriker eine Entdeckung machte: Die prostende Giebelfigur war einst vor der Abrissbirne gerettet und eingelagert worden. Bottrops Gambrinus befand sich allerdings in erbarmungswürdigem Zustand und musste aufgepäppelt werden. Und so entstand eine Replik der königlichen Giebelfigur, die nun seit 2015 auf der Gastromeile residiert.
Bottroper Kneipennacht mit intergalaktischen Besuchern
„Unseren Gambrinus können wir nicht länger einfach so da stehen lassen“, dachte sich das Kneipennachtteam und erhob die Sagengestalt kurzerhand zum Schutzpatron der Bottroper Kneipennacht. Und wie Sie im Video sehen, freut sich Gambi. Und es gibt da diesen schrulligen Brauch: Wer der Gambrinus-Statue die Füße streichelt, hat am nächsten Tag garantiert keinen Kater.
Also, verpassen Sie nicht die 24. Bottroper Kneipennacht im Zeichen des Gambrinus am 7. November 2026. 14 Bands, 14 Locations.
Karten
VVK: Foto Lelgemann, Altmarkt 7 | Lotto auf der Hochstraße 19 | Lotto im Kaufland, Berliner Platz 8 | Lotto am Pferdemarkt, Osterfelder Straße 15A | Lotto am Eigener Markt, Gladbecker Str. 285.
Und natürlich in fast allen teilnehmenden Kneipen. Ein Restkontingent wird es auch noch an ein paar Abendkassen geben.
Online-Shop: Und im Online-Shop der Vereinten Volksbank: www.vb-shop.de
Alle Infos zu den Bands und Lokalitäten finden Sie auf der Website: https://bottroper-kneipennacht.de/
Video über die letzte Kneipennacht: https://wat-gibbet.de/video-bottroper-kneipennacht/
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KI-Videoclip und Text: Udo Schucker
Historisches Foto: Günther Schweizer
*Eine Anspielung auf den gleichnamigen Spielfilm von Éric Rohmer aus dem Jahr 1969
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