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Ein Amerikaner mit Messer

Wie alles begann – Bottrops erste Halloween-Party in der Mühle

Alles begann – zumindest filmhistorisch – mit John Carpenters legendärem Horrorfilm „Halloween“ von 1978. Michael Myers, die weiße Maske, das einprägsame Musik-Thema, das einen nervös machte: Der Film prägte das Slasher-Genre und machte klar, dass man in Haddonfield besser nicht babysittet. In Deutschland kam „Halloween – Die Nacht des Grauens“ am 6. Juli 1979 in die Kinos.

Der Low-Budget-Streifen startete mit sehr wenigen Kopien und war seinerzeit bei uns im Ruhrgebiet nur in Mülheim zu sehen. Ein ARD-Kulturmagazin berichtete zuvor über diesen Film, und ich war natürlich sofort angefixt. Hier bahnte sich etwas Cineastisch-Neues an. Also saß ich mit meinem Kumpel Georg Drabiniok am 8. Juli nachmittags in einem ausverkauften Mülheimer Kino und war geschockt.

Heute sind wir an Slasher-Filme gewöhnt. Blutorgien sind längst allabendliche Routine. Statt Schrecken nur noch Gähnen. Aber vor fast 50 Jahren sah das noch ganz anders aus. Der Film „Halloween“ eröffnete quasi einen neuen Korridor im Horror-Genre.

Bottrops erste Halloween-Party

Während in den USA der 31. Oktober längst ein Volksfest aus Süßigkeiten, Skeletten und übertriebenen Haustürdekorationen war, guckten wir Deutschen zunächst eher irritiert. So richtig populär wurde Halloween hierzulande erst in den 1990er Jahren. In Bottrop fand Anfang der 1990er Jahre die erste Halloween-Party in der damaligen Szenekneipe „Mühle“ statt. Veranstaltet wurde sie von der Gastronomin Antje Döing.

Antje hatte das alte Gemäuer liebevoll dekoriert. Künstliche Spinnweben durchzogen großzügig den historischen Innenraum. Gummispinnen und Latex-Fledermäuse hingen von der Decke. Gespenster schwebten durch den Raum. In jeder Ecke grinsten Kürbisse die Gäste an. Kunstnebel waberte über die Tanzfläche und sorgte zusätzlich für dicke Raumluft in der verrauchten Gaststätte. Das Personal war verkleidet, die meisten Gäste nicht, und begegneten dem Treiben eher mit einer gewissen Skepsis, die sich mit steigendem Alkoholkonsum schnell verflüchtigte.

Bottrops bekanntester Barkeeper Georg Louven, damals Chefzapfer in der Mühle und deren Galionsfigur, gab an diesem Abend den Dracula. Die Damen ließen sich allzu gerne von ihm beißen. Während Michael Myers in Haddonfield durch die Nachbarschaft streifte, wurde in der Mühle durch die Getränkekarte gestreift. Und so nahm das Böse seinen Lauf.

Das war vermutlich der Moment, in dem Halloween in Bottrop seinen deutschen Akzent bekam: weniger „Trick or Treat“, mehr „Wat gibbet?“

Heutzutage leuchtet Ende Oktober in vielen Vorgärten ein Kürbis, selbst der Hund hat ein Skelett-Kostüm. Und in zahlreichen Gärten finden Kettensägen-Massaker statt. Halloween ist längst kein Fremder mehr – eher ein Verwandter, der jedes Jahr am 31. Oktober wiederkommt. Und Michael Myers ist eine Kultfigur der Filmgeschichte, über die Doktorarbeiten geschrieben werden und deren Erwachen ich irgendwie miterleben durfte.

Antje Döinig, die in der Mühle viele liebevolle Motto-Partys veranstaltete, ist leider 2014 verstorben.

Udo Schucker

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