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Darmspiegelung – eine Hommage

Ein dadaistischer Erfahrungs­bericht über eine Koloskopie beim Bottroper Gastro­enterologen Dr. Dambacher

Als ich neulich an einem angenehm zweckfreien Nachmittag in der Weinbar saß, trafen in meinem Kopf zwei Großereignisse der Tiefenerschließung aufeinander: Thomas Manns „Zauberberg“ und meine eigene, noch recht frische Darmspiegelung. Begleitet wurde Letztere von meinem Freund Reimbern, der selbst medizinischen Randlagen eine gewisse Geselligkeit abzuringen weiß. Das Thema ausgesprochen, wurde es von mehreren Gästen aufgenommen und lebhaft diskutiert. Ich beschloss, diesen erquicklichen Moment in der folgenden dadaistischen Theaterszene festzuhalten.

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Peristaltik bei Pinot

TERRASSE DER BOTTROPER WEINBAR AN DER GASTROMEILE. FRÜHSOMMERABEND

Ein leises Klirren, irgendwo probt ein Saxophon gegen die Wirklichkeit an. Fünf Stühle, fünf Gläser, fünf Existenzen.

REIMBERN (mit bedeutungsschwangerem Blick ins Weinglas):
Ich sage euch: Das war kein medizinischer Eingriff. Das war… Installationskunst mit Ausgang.

BOMBER (zählt Oliven, verliert bei drei die Orientierung):
War der Darm der Raum oder der Raum der Darm?

UDO (trocken, mit der Aura eines Mannes, der Dinge gesehen hat):
Ich war der Raum.

EKI (kritzelt in die Luft):
Notiere: „Udo, ein begehbares Konzept.“ Premiere an der Poststraße, Praxis Doktor Dambacher.

Wirt SANKT MARTIN gleitet heran, als hätte er Rollen unter den Schuhen.

SANKT MARTIN:
Ein Rosé für die Erinnerung, ein Weißer für die Verdrängung und ein Cocktail „Kolonoskop Sunrise“. Vorsicht, der hat Tiefe.

Martin stellt die Getränke ab, nickt einem unsichtbaren Publikum zu und verschwindet.

REIMBERN (rückt näher, verschwörerisch):
Ich war ja Begleitperson. Offiziell. Inoffiziell: Kurator. Leute, diese Praxis! Die Damen dort – so freundlich, so aufmerksam – ich schwöre, du denkst, gleich geht die Discokugel an. Fast schon Partystimmung.

BOMBER:
Gibt es eine Gästeliste oder kommt man mit Überweisung rein?

UDO:
Man kommt… vorbereitet.

EKI (feierlich):
Das Stück beginnt mit Leere. Viel Leere. Eine metaphysische Reinigung.

REIMBERN:
Und dann diese Stimmen: „Alles ganz entspannt.“ – „Sie machen das großartig.“ Ich hätte Eintritt bezahlt!

BOMBER (ergriffen):
Applaus im Dickdarm.

Kurze Pause. Ein Windstoß bewegt Servietten wie weiße Fahnen.

STERNSCHNUPPE (blickt ins Glas, als wäre es ein Orakel):
Ist das hier noch außen… oder schon innen?

UDO:
Grenzen sind fließend.

EKI:
Genre: Dada. Untertitel: „Schlauch trifft Seele“.

Sankt Martin taucht wieder auf, poliert ein Glas, das bereits perfekt ist.

SANKT MARTIN:
Wir haben heute auch ein Degustationsmenü: fünf Gänge, alle hypothetisch.

REIMBERN (begeistert):
Ich sage euch, Doktor Dambacher, ein Dirigent! Und die Assistentinnen , ein Chor! Wenn die sagen „Bitte hier entlang“, gehst du freiwillig bis… (Er macht eine ausladende Handbewegung ins Unendliche.)

BOMBER:
Bis zum Encore.

UDO:
Es gab kein Encore.

EKI:
Tragisch. Oder konsequent.

Ein kurzes, bedeutungsloses Nicken aller.

STERNSCHNUPPE (leise, dann entschlossener):
Reimbern … würdest du mich begleiten? Wenn ich… dorthin gehe?

Ein Dackel BELLT am Nachbartisch.

REIMBERN (sanft, fast pathetisch):
Ich bringe Konfetti. Und Haltung.

UDO (lächelt):
Die Untersuchung selbst ist ja fast schon gnädig. Du schläfst, während jemand die dunkleren Kapitel deiner Biografie durchgeht.

BOMBER (heroisch)
Ich bin wach geblieben.

EKI:
Natürlich bist du das.

BOMBER (ruhig):
Man bekommt einen Bildschirm, ein Livebild. Sehr… aufschlussreich.

EKI (lehnt sich zurück):
Und danach geht man einfach wieder nach Hause, als wäre nichts gewesen?

UDO:
Nein, man kommt zurück mit Wissen.

STERNSCHNUPPE:
Welchem Wissen?

UDO (hebt sein Glas)
Dass das Leben endlich ist. Aber der Darm … überraschend lang.

Das Saxophon spielt falsch, aber überzeugt. Vorhang.

ENDE

Udo Schucker

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