Fünfzigste Jahresausstellung Bottroper Künstler*innen im Quadrat
Seit der Premiere im Jahr 1976 war die Eröffnung der Jahresausstellung im Museumszentrum Quadrat wohl selten so gut besucht wie am Sonntagnachmittag, dem 23. November 2025. Die Bottroper Kunstszene erlebt einen spürbaren Aufschwung, nicht nur bei der Zahl der Kunstschaffenden, sondern vor allem in der Qualität der Arbeiten.
Ein Kuratorium unter der Leitung von Museumsleiterin Dr. Linda Walther wählte aus 308 Einreichungen 81 Werke von 48 Künstlerinnen und Künstlern aus, die noch bis zum 11. Januar 2026 im Quadrat zu sehen sind. Die Schau zeigt eindrucksvoll, wie vielfältig und professionell sich die künstlerische Produktion in Bottrop inzwischen präsentiert.
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Zeitzeuge
Seit 1976 besuche ich die Jahresausstellungen im Quadrat und kann mich nicht erinnern, je so viele hochwertige Exponate Bottroper Kunstschaffender in einer einzigen Ausstellung gesehen zu haben wie in diesem Jahr. Diese Verdichtung an Qualität verleiht der fünfzigsten Ausgabe zusätzliches Gewicht.
Professor Martin Honert
Mit dieser Einschätzung stehe ich nicht allein. Auch der aus Berlin angereiste renommierte Künstler Professor Martin Honert zeigte sich sichtbar beeindruckt von der Qualität vieler Arbeiten und sprach von einem starken Auftritt der Bottroper Szene.
Was kaum jemand weiß: Martin Honert ist wohl Bottrops bekanntester und erfolgreichster aktiver Künstler auf dem internationalen Kunstparkett. Der am Windmühlenweg aufgewachsene Bildhauer hatte eine Professur in Dresden inne, leitete dort über viele Jahre eine Meisterklasse und wird von der New Yorker Matthew Marks Gallery vertreten. In seinen Werken reflektiert er häufig Kindheit und Schulzeit im Bottrop der 1960er-Jahre – und seinen ersten wichtigen Auftritt hatte er vor fast fünfzig Jahren ausgerechnet auf einer Jahresausstellung im Museumszentrum Quadrat.
Fotografie ist keine Kunst
Der Bottroper Fotokünstler Wolfgang Fröhling zählt zu den prägenden Kreativen der Region. Mit seinen Fotografien von Zechensiedlungen und dem Wandel der Ruhrgebietskultur hat er wiederholt die lokale Kunstszene bereichert. Bereits 1976 bewarb sich Fröhling mit seinen Fotowerken für die allererste Jahresausstellung Bottroper Künstler im damaligen Museumszentrum Quadrat. Doch zu dieser Zeit galten Fotografien noch nicht als eigenständige Kunstgattung – Museumsleiter Dr. Schumacher ließ die Einreichungen daher nicht zu. Heutzutage sind seine Arbeiten begehrte Ausstellungsobjekte und auch in der aktuellen Ausstellung zu sehen.
Professor Gereon Krebber – Einzelpräsentation „Innen und Außen“
Der Bildhauer und Kulturpreisträger Gereon Krebber, geboren in Bottrop und inzwischen international für seine raumgreifenden Skulpturen bekannt, steht heute für die Vielfalt und Freiheit künstlerischer Ausdrucksformen in der Region. Seine Auszeichnung mit dem Kulturpreis der Stadt Bottrop würdigt sein innovatives Schaffen, das oft mit experimentellen Materialien aufwartet und die Kunstlandschaft maßgeblich geprägt hat.
Gereon Krebber kehrt nach zwei Jahrzehnten mit einer weiteren Einzelpräsentation in die Jahresausstellung Bottroper Künstler*innen zurück. In „Ins Grüne“ lässt er neue Arbeiten mit älteren, teilweise frisch gegossenen Werken korrespondieren und entwickelt daraus für den spezifischen Ort überraschende räumszenische Konstellationen. Seine „Plöppies“ – Skulpturen, die an Alien-Eier erinnern – bilden dabei schon auf dem Rasen vor dem Museum einen spielerischen Auftakt für das Publikum.
Das künstlerische Leben in Bottrop ist lebendig wie selten zuvor, und Fotografie ist längst ein fester Bestandteil der Jahresausstellung im Museum Quadrat. Der Wandel seit 1976 unterstreicht die Bedeutung von Pionieren wie Fröhling und Krebber für die Anerkennung neuer Kunstformen. Sowohl Martin Honert, Gereon Krebber und Wolfgang Fröhling sind Mitglieder im Bottroper Künstlerbund.
Damit spannt die diesjährige Jahresausstellung einen Bogen von der lokalen Nachwuchsszene über etablierte Positionen bis hin zu international beachteten Künstlerpersönlichkeiten und macht deutlich, welches Potenzial in Bottrops Kunstlandschaft steckt.
Mitwirkende
Zu sehen sind bis zum 11. Januar 2026 Arbeiten von Peter Beckhoff, Guido Berndsen, Louis Braun, Carsten Breuer, Claudia Brüggemeier, Rebecca Bujnowski, Wolfgang Fröhling, René Haustein, Susanne Herrnberger, Guido Hofmann, Martin Honert, Stephan Hütte, Ulrike Int-Veen, Marc-Andre Jäger, Roman Jäkel, André Kirschbaum, Christina Kleinheins, Thomas Köller, Frank Köthur, Renate Kraft-Mysliwietz, Regina Maria Kreer-Ulbricht, Klaus J. Lach, Petra Lamers, Monika Lioba Lang, Andrea „Ada“ Leitner, Odile Meier-Dusol, Georg Märker, Peter Mrasek, Ralf Opiol, Petra Pauen, Wilma Reidick, Angelika Schilling, Barbara Schmuchal, Dieter Schröder, Paul Schulte, Kimberley Slickers, Max Spielvogel, Peter Steinebach, Lisa Thesing, Sabine Tollkühn-Klein, Reimund Walther, Hannah Wasserfest, Jutta Weber, Stefan Wepil, Reinhard Wieczorek, Gabriele Wilmsen und Trudel Zeltinger.
Der Eintritt ist frei.
Wir danken Dr. Linda Walther und dem ganzen Museumsteam für diese tolle Jahresausstellung.
Museumszentrum Quadrat
Anni-Albers-Platz 1
46236 Bottrop
Website: https://quadrat.bottrop.de/
Text und Fotos: Udo Schucker
Martin Honert spielte 1975 und 1977 die Hauptrolle in den beiden Spielfilmen „Große Freiheit Nr. 425“ und „Der werkenden Jugend – dem wirkenden Volke“. Beide Filme liefen im Oktober im VHS-Kino „Filmform“. Lesen Sie dazu folgenden Artikel: https://wat-gibbet.de/bottroper-filmkooperative/
Andy Warhol besucht das Quadrat. Lesen Sie dazu den Beitrag: https://wat-gibbet.de/andy-warhol-in-bottrop/
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