Als ich Andy Warhol am Quadrat traf

Und wie es ihm in einem Bottroper Restaurant an den Kragen ging.

Es war Anfang der 1980er Jahre, als ich an einem sonnigen Tag mit meiner Freundin Brigitte durch den Bottroper Stadtgarten spazierte und eine Begegnung der Pop Art hatte. An das genaue Datum kann ich mich leider nicht mehr erinnern. Es könnte aber an Weiberfastnacht gewesen sein. Dies würde zumindest zeitlich mit den Tagebucheintragungen von Andy Warhol übereinstimmen.

Als wir am Museum Quadrat vorbeischlenderten, welches ja im Stadtgarten liegt, blieb Brigitte plötzlich stehen und machte mich auf eine Person aufmerksam, die vor dem Haupteingang des Museums stand: „Guck mal, der Typ sieht aus wie Andy Warhol.“
„Meinste? Nee, kann nicht sein!“, wir starrten den Mann an. Warum sollte ausgerechnet der bekannteste New Yorker Pop-Art-Künstler seine „Factory“ im Big Apple verlassen und in Bottrop herumscharwenzeln? „Ist ’ne Kopie, lebendige Pop Art, sozusagen.“
Der Andy-Warhol-Imitator hatte unser Gegaffe mittlerweile bemerkt und quittierte es mit einem Lächeln.
„Andy“, rief ich, „fesch schauste aus!“. Brigitte und ich unterstrichen meinen Ausruf noch mit einer klassischen Daumen-hoch-Geste.
Andys Lächeln blieb stumm und wir schlenderten davon, fest davon überzeugt, einem Andy-Warhol-Imitator begegnet zu sein.
Am nächsten Tag erfuhren wir dann durch die WAZ, dass der echte Andy Warhol tatsächlich die Josef-Albers-Ausstellung im Quadrat besucht hatte.

In seinen Aufzeichnungen notierte Warhol auch den Besuch eines Bottroper Restaurants. Da Weiberfastnacht war, hatte man ihn über die seltsamen Bräuche der Einheimischen vorgewarnt. Warhol steckte seine Krawatte vorsichtshalber in die Tasche. Ohne Erfolg. Ein wildes Weib erwischte ihn am Hemdzipfel und schnitt diesen ab. „Es war mein gutes Hemd. Und ich war wütend. Die Frauen waren Furien“, schrieb er in sein Tagebuch.

Leider konnten wir nicht ermitteln, um welches Bottroper Restaurant es sich dabei handelte. Vielleicht könnt ihr ja diese Frage beantworten, liebe Leser*innen?  Da die „Josef-Albers-Ausstellung“ mit den Quadraten erst am 25. Juni 1983 eröffnet wurde, könnte die Begegnung mit Warhol auch 1983/84 stattgefunden haben. Andy Warhol verstarb 1987 nach einer Gallenoperation.

Seit der Eröffnung der Josef-Albers-Ausstellung haben übrigens viele weltberühmte Persönlichkeiten das „Museum Quadrat“ in Bottrop besucht. Angefangen mit dem amerikanischen Präsidenten George W. Bush Senior. Wann wart ihr das letzte Mal dort?

Udo Schucker

Hinweis: Das Video auf dieser Seite wird erst geladen, wenn Sie auf das Standbild klicken! Mit Abspielen eines Videos akzeptieren Sie eine Verbindung zu YouTube und deren Datenschutzerklärung. Mehr Informationen in unserer Datenschutzerklärung.

Die Auszüge aus Andy Warhols Tagebuch stammen aus Rainer Wielands Publikation „Das Buch der Deutschlandreisen“, das 50 Berichte von Deutschland-Reisenden über einen Zeitraum von 2000 Jahren versammelt. Propyläen Verlag, 512 Seiten, mit zahlreichen Abbildungen, 48 Euro.

Foto: Andy Warhol by Jack Mitchell, CC BY-SA 4.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Commons

Video: The Andy Warhol Diaries (From Executive Producer Ryan Murphy) | Official Trailer | Netflix