Die Würde des Menschen …
Königliche Ausstellung und Thementage in der Kulturkirche Heilig Kreuz in Bottrop. Humor, Geschichte, Musik, Hoffnung – und ein bisschen Biskuit.
Ralf Knoblauchs hölzerne Königsfiguren laden an mehreren Tagen zum Dialog in die Kulturkirche. „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ So beginnt das Grundgesetz. Artikel 1, Absatz 1. Ein zentraler Satz der deutschen Rechtsordnung. Das Fundament, auf dem alles andere steht.
Die Würde des Menschen ist unantastbar. Was für ein wunderbarer Satz. Der in unserer heutigen Gesellschaft kaum noch Anklang findet. Noch in den 1990er-Jahren hofften viele von uns, dass sich die Welt zu einem gerechteren, friedlicheren Ort weiterentwickeln wird. Wir glaubten an Glasnost, an soziale Gerechtigkeit, ans Internet und an wirtschaftliches Wachstum ohne Dividendenzwang.
„Der Traum ist aus. Aber ich werde alles geben, dass er Wirklichkeit wird.“ Rio Reiser
Wir waren Träumer, die nun böse erwachen. Die schlimmsten Dystopien manifestieren sich zunehmend in der Wirklichkeit. Der braune Mief quillt wieder aus den Ritzen der Geschichte hervor. Die Dummheit grassiert. Die soziale Ungerechtigkeit wächst und wächst. Und die politischen Eliten aller Parteien sind nur noch mit sich selbst beschäftigt. Sie treiben ihre Polit-Sado-Maso-Spielchen, frönen ihrem Lobbyismus oder praktizieren ideologisches Bondage, während im Land immer mehr Suppenküchen eröffnen und die Obdachlosigkeit wächst.
Doch die Würde des Menschen ist unantastbar. Jeder Mensch besitzt Würde. Einfach so. Weil er Mensch ist. Man muss sie sich nicht verdienen. Man kann sie nicht verlieren. Auch dann nicht, wenn man sie verwirkt zu haben scheint.
Sie gilt für alle. Unabhängig von Alter, Herkunft, Religion, Geschlecht, Vermögen oder Verhalten. Der Staat und alle staatlichen Gewalten sind verpflichtet, diese Würde zu achten und zu schützen. Menschen dürfen niemals wie Sachen behandelt werden. Nicht wie Objekte. Nicht wie Nummern.
Ralf Knoblauchs stille Königsfiguren
Zeit für einen inneren und äußeren Dialog. Ralf Knoblauchs kleine Königsfiguren sind weniger Kunstwerk als Ausrufezeichen. Sie rufen dazu auf, innezuhalten und zu reflektieren. Der aus Bottrop stammende Diakon und gelernte Tischler präsentiert seine Königsfiguren weltweit. Sie stehen in Kirchen, in Krisengebieten, am Straßenstrich, im Kölner Dom und anderswo.
„Wie viel Würde kommt einem Menschen zu – von Gott, von sich, von anderen? Und wie viel bleibt im Verborgenen? Meine Königsfiguren sind ein Antwortversuch: Scheinbar machtlos und bescheiden zeigt sich ihre Größe und Würde im Verborgenen. Die Skulpturen sollen berühren und an die jedem Menschen innewohnende Königswürde erinnern – und daran, dass wir Menschen füreinander da sein sollen.“ Ralf Knoblauch, Diakon und Holzbildhauer
Knoblauchs Könige tragen keine Schwerter. Keine Zepter. Keine Rüstungen. Sie stehen da, schlicht, mit geschlossenen Augen, ein freundlicher Zug um den Mund. Auf dem Haupt oder zu den Füßen: eine Krone. Sie sollen nicht beeindrucken. Sie sollen erinnern. Daran, dass jeder Mensch königlich ist. Dass in jedem eine Würde steckt, die nicht verhandelbar ist.
Manche der Figuren haben nur einen Arm. Das ist kein Fehler. Es ist Absicht. Verletzlichkeit gehört zur Würde dazu, sagt Knoblauch. Die Würde ist unantastbar, aber der Mensch ist zerbrechlich. Beides stimmt.
Das Grundgesetz sagt: unantastbar. Knoblauch sagt: „Begreifbar.“ Seine Könige darf man anfassen. In manchen Ausstellungen sind sie explizit zum Berühren da. Weil Würde nicht nur ein Satz ist. Sie ist etwas, das man spüren kann.
Jetzt machen die Figuren Halt in Bottrop. In der Kulturkirche Heilig Kreuz. Vom 2. September bis zum 21. Oktober 2026 sind sie im Rahmen einer breitgefächerten Themenreihe zur Menschenwürde zu sehen. Ein gebürtiger Bottroper, der an die Würde erinnert und seine Holzfiguren in die Welt schickt. Nach Aleppo, nach Hongkong, in die Wüste Omans. Und jetzt zurück nach Bottrop.
„Eure Majestät … Hallo, ja, Sie sind gemeint. Auch Sie sind hochwohlgeboren.“ Treffen Sie sich mit den Königen von Ralf Knoblauch.
Die Thementage in der Kulturkirche
- Mittwoch, 2.9., 18.30–ca. 20 Uhr: Ausstellungseröffnung + „Die Könige treffen auf: Humor“ (Benjamin Eisenberg)
- Sonntag, 13.9., 15.30–17 Uhr: „Kaffee und Kuchen mit den Königen“
- Mittwoch, 16.9., 18.30–ca. 20 Uhr: „Die Könige treffen auf: Geschichte“ (Vortrag Heike Biskup, Stadtarchiv)
- Mittwoch, 7.10., 18.30–ca. 20 Uhr: „Die Könige treffen auf: Live-Musik und Deklamation“ (Thilo Totter & Friends)
- Mittwoch, 21.10., 18.30–ca. 20 Uhr: „Die Könige treffen auf: Hoffnung“ (Vortrag Sr. Beate Harst, Missionsärztliche Schwestern)
Fotos und Text: Udo Schucker
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Simon Krebs



Ralf Opiol appelliert! Foto: Udo Schucker