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Hermanns-Denkmal

Saufen oder raus hier! Eine kurze Geschichte über Hermann Euskirchen, Unikum und Gastronom.

Am Mittwoch, 29. Juli 2026, trafen sich in der Bodega Dirk Aschendorf von der WAZ und vier Urgesteine ​​der Bottroper Gastroszene. Anlass war der Besuch der 88-jährigen Gastronomielegende Hermann Euskirchen in seiner alten Heimat. Vor rund 50 Jahren begegnete ich Hermann Euskirchen zum ersten Mal, im Bistro-Piccadilly.

Saufen oder raus hier!

Ostern 1976 schloss das alte Kolpinghaus für immer sang- und klanglos seine Pforten. Bis zu diesem Zeitpunkt war das „Kolp“ der primäre Treffpunkt für Schüler, Studenten, Künstler und politische Aktivisten. Danach verlagerte sich die Szene ins „Bistro-Piccadilly“.

Hermann Euskirchen war damals der Chefzapfer im Bistro und begrüßte uns auch gleich mit dem Satz: „Saufen oder raus hier!“ Wobei der Satz reine Rhetorik war. In jenem Jahrzehnt haben alle gesoffen, als gäbe es kein Morgen. Der Trend zur Abstinenz entwickelte sich erst in späteren Jahren.

Als wir 1977 im „Bistro-Piccadilly“ Szenen für unseren Spielfilm „Der werkenden Jugend – dem wirkenden Volke“ drehten, durfte Hermann mit seinem Spruch natürlich nicht fehlen.

Zwei Jahre später – auf den Hund gekommen

1979 eröffnete Hermann schließlich seine erste eigene Kneipe in Bottrop, direkt neben der alten Schauburg an der Hochstraße: „Die Glocke“. Hermann hatte nicht nur einen neuen Pub in den Räumen des ehemaligen Herrenausstatters „Men’s Shop“ eröffnet, er hatte auch einen neuen besten Freund: einen kleinen Terrier. Ich glaube, es war ein Cairn- oder Yorkshire-Terrier. Genau weiß ich es nicht mehr.

Wir hatten zeitweise einen Stammtisch in der „Glocke“ und trafen uns dort jeden Freitag.

Die Sache mit dem Hundefutter

Eines Nachts war Hermann gut abgefüllt und ging früher nach Hause. Er sagte zu mir: „Schließ du ab.“ Der Laden war noch relativ voll, und eine Freundin von mir stand hinter der Theke. Die reichlich alkoholisierten Gäste bekamen Hunger. Hermann hatte in solchen Momenten oft ein Tablett mit Leberwurstschnittchen herumgereicht. „Udo, kannst’e ein paar Brote schmieren?“ Klar.

Ich ging in die Küche. Brot war reichlich vorhanden, aber leider keine Leberwurst oder andere Aufstriche mehr. Nur Andys Gourmet-Hundefutter grinste mich an. Das Zeug sah aus wie Leberwurst und roch auch so. Also servierte ich an diesem späten Abend den hungrigen Gästen Wurstbrote mit Hundefutter. Mein Tablett war ratzfatz leergefuttert, und die Gäste forderten Nachschub. Leider hatten sie Andys gesamtes Futter verputzt. Hermann wunderte sich am nächsten Tag, dass kein Gourmet-Futter mehr für Andy vorhanden war. Ich habe ihm natürlich verschwiegen, dass seine Gäste dem Hund alles weggefuttert hatten.

Zappenduster

1987 wurde die Schauburg geschlossen. Der gesamte Gebäudekomplex, zu dem auch Hermanns Pub gehörte, musste dem Neubau von C&A weichen. Zwar hatte Hermann sich lange gewehrt und dadurch immerhin seine Abfindung in die Höhe getrieben, doch das Lied der Glocke verklang.

Hier endete auch meine Zeit als Stammgast. Ich bin quasi an Hermann Euskirchens Theke erwachsen geworden, wie viele andere meiner Generation auch.

Unikum

Hermann Euskirchen betrieb danach für kurze Zeit die „Zwiebelstube“ und anschließend das „Schäfer“, doch in den 1990er-Jahren veränderte sich die Kneipenszene. Hermann wurde zum Relikt und ging in den vorzeitigen Ruhestand, blieb dem Stadtbild aber noch einige Jahre erhalten.

Meine Mutter meinte damals: „Hermann wird seinem Hund immer ähnlicher.“ In der Tat: Manchmal hörte man die beiden schon bellen, bevor man sie sah. Hermann wurde zu einer Art Unikum. Viele Bottroper hatten ihn längst ins Herz geschlossen. Heute lebt Hermann Euskirchen in Hessen, weit weg von den Theken, an denen er seine Spuren hinterlassen hat.

Zu Besuch in Bottrop

Fotos und Text: Udo Schucker

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