Buchvorstellung: Ein Leben für die gerechte Sache
Dieses historisch-biografische Buch erzählt das Leben des Bottroper Arbeitervertreters Alois Fulneczek
Der Bottroper Lokalhistoriker Şahin Aydın hat ein Buch über den Bottroper Arbeiterführer Alois Fulneczek herausgebracht. Alois Fulneczek war eine prägende Figur des lokalen Widerstands, dessen Geschichte gerade in der heutigen Zeit wieder sehr aktuell ist.
Es ist Şahin Aydıns viertes Buch. Der Bottroper hält regelmäßig Vorträge im In- und Ausland und schreibt schwerpunktmäßig zur Arbeiterbewegung der Jahre 1918 bis 1920. Außerdem forscht er zu Widerstandskämpferinnen gegen den Hitlerfaschismus und engagiert sich für die Verlegung von Stolpersteinen.
Anzeige
Ausgehend von seiner Herkunft in Oberschlesien zeichnet Aydın Alois Fulneczeks Weg ins Ruhrgebiet, seine Erfahrungen im Ersten Weltkrieg und sein politisches Engagement während der Novemberrevolution nach. Im Mittelpunkt stehen die Streiks und Arbeiterkämpfe des Jahres 1919, die Forderung nach einer Sozialisierung der Zechen sowie Fulneczeks Verhaftung und gewaltsamer Tod am 23. Februar 1919. Zahlreiche Archivdokumente, Fotografien, Urkunden und Familienzeugnisse machen zugleich ein persönliches Schicksal und ein lange vernachlässigtes Kapitel der Bottroper Stadt- und Arbeitergeschichte sichtbar.
Der Historiker Dr. Peter Berens schreibt dazu:
Die reichhaltige Geschichte des revolutionären Flügels der Arbeiterbewegung des Ruhrgebiets ist bisher nur unzureichend aufgearbeitet worden. Nun hat Şahin Aydın ein Buch über das Leben des Bottroper Revolutionärs Alois Fulneczek vorgelegt, der am 23.2.1919 von Soldaten des Freikorps Lichtschlag ermordet wurde.
Fulneczek wurde am 29.12.1882 in Pyschcz / Kreis Ratibor (Racibórz) geboren. Wie so viele Polen und Deutsche in Preußen suchte er Arbeit im Ruhrgebiet. Seit 1907 arbeitete der gelernte Maurer als Bergmann in Bottrop auf der Zeche Prosper und gründete eine Familie. Ob er vor 1918 bereits politisch aktiv war, ist unbekannt. Wenige Tage nach Beginn der Novemberrevolution bildete sich am 10.11.1918 auch in Bottrop ein Arbeiter- und Soldatenrat (AS-Rat Bottrop), der zunächst von sozialdemokratischen Gewerkschaftsbürokraten majorisiert wurde.
Anzeige
Unter ihrer Führung rief der AS-Rat Bottrop zur „Sicherstellung von Ruhe und Ordnung“ und zur „Abwehr vom bolschewistischen Treiben“ auf. Gemeint war damit die Unabhängige Sozialdemokratische Partei (USPD), in deren Reihen zunächst auch die Spartakusgruppe agierte. Außerdem wurde vom AS-Rat Bottrop eine bürgerliche „Volkswehr“ aus 300 aktiven und 300 passiven Bewaffneten geschaffen.
Aydin zeigt die Radikalisierung der Arbeiter auf: Während die USP im ersten AS-Rat nur ein Mitglied von zwölf stellte, gehörten Mitte Februar 1919 von der USPD drei Mitglieder und von der nun unabhängigen Kommunistischen Arbeiterpartei (Spartakusbund) zwei Mitglieder dem Rat an, während die gemäßigten Parteien und Gewerkschaften insgesamt 13 Mitglieder stellten. Zwei weitere Mitglieder des Rates gehörten zur Polenpartei.
Die Zunahme des Radikalismus erschien den Gemäßigten so bedrohlich, dass sie die fünf USPD- und KAPD-Vertreter und die beiden der Polenpartei aus dem AS-Rat Bottrop ausschlossen. Ziel der Gemäßigten war die Festigung der bürgerlichen Ordnung durch Gemeinderatswahlen, die dann am 09.03.1919 der SPD sechs, der USPD vier, der Polenpartei 17, dem katholischen Zentrum 24 Sitze und drei weiteren Sitze für andere bürgerliche Parteien brachten.
Doch unterdessen fand im Ruhrgebiet ein ausgedehnter Streik statt, der vor allem von den Zechenbelegschaften befolgt wurde. Zwischen dem 16. und 19. Februar kam es in Bottrop zu Kämpfen zwischen bewaffneten Arbeitern und bürgerlicher Volkswehr, die besiegt wurde. Auf dem Rathaus wurde am nächsten Tag die rote Fahne gehisst. Alois Fulneczek hielt vom Rathausbalkon eine Rede. Gegen die streikenden und revolutionären Arbeiter wurden Reichswehrtruppen aus Münster mobilisiert, die am 23.2.1919 in Bottrop einmarschierten. Fulneczek, der einer der Verhandlungsführer der KPD war, wurde am gleichen Tag von den Truppen verhaftet und im Gerichtsgefängnis von der Soldateska ermordet. An seiner Umbettung nahm eine unüberschaubare Menge von Arbeitern teil. Es ist Sahin Aydins Verdienst, die Person des revolutionären Arbeiters Alois Fulneczek dem Vergessen entrissen zu haben.
Dr. Peter Berens, Oberhausen 2025
Aydin Sahin: Ein Leben für die gerechte Sache: Alois Fulneczek (Alternative Beiträge zur Bottroper Stadtgeschichte, Band 3),
Tredition Verlag 2026,
ISBN Paperback: 978-3-384-06988-7
Hardcover: 978-3-384-06989-4
216 Seiten, 12,00 €
Jetzt keinen Artikel mehr verpassen: abonnieren Sie unseren wat-gibbet-WhatsApp-Kanal!
Jetzt keinen Artikel mehr verpassen!
Abonnieren Sie einfach unseren
wat-gibbet-WhatsApp-Kanal!







Ein Film von Ferdiinand Fries
Foto: Adobe Stock

Pepper & Co warten auf euch Bildrechte: Stadt Bottrop Fotograf: Sarah Jockenhöfer