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TWO of Us and Friends

Vom Duo zur Band: TWO of Us and Friends wachsen über sich hinaus

Sechs Menschen, eine Idee und die Überzeugung, dass gute Songs keine Lasershow, keinen Nebel und keine meterhohen Marshall-Türme brauchen, sondern vor allem eines: Mut zur Nähe.

Was als kleines Akustikduo begann, hat sich nach der Pandemie zu einem Projekt entwickelt, das deutlich größer klingt, als seine Besetzung vermuten lässt, und dabei beharrlich lokal bleibt.

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Wie alles mit einem Duo begann

Am Anfang standen Bianca Tanzyna-Ertz und Klaus Frintrop. Sie mit einer Stimme, die locker eine ganze Kirche füllen könnte, er mit einer Gitarre, die klingt, als hätte sie Geschichten aus mehreren Jahrzehnten Rock- und Blueskeller in ihren Saiten gesammelt.

Die beiden taten das, was Musiker nun mal tun, wenn es ernst wird: Sie stellten sich einfach hin und spielten die Songs, die ihnen etwas bedeuteten.

Aus dieser Entscheidung wurde schnell mehr als nur ein Hobbyprojekt. In Galerien und auf kleinen Bottroper Bühnen wuchs etwas heran, das man schwer in Genres packen kann, aber leicht in einem Satz: Musik, die Menschen nach einem langen Tag wieder atmen lässt.

Before and after the silence

Wie viele andere Projekte wurde auch TWO of Us von der Corona-Pandemie brutal ausgebremst. Die kleinen Räume, in denen sie normalerweise spielen – Kultureinrichtungen, Galerien, Wohnzimmer – waren plötzlich genau jene Orte, die man meiden sollte. Die Stille der Lockdowns traf ein Projekt, dessen Kern in der Unmittelbarkeit des Moments liegt.

Doch als die Bühnen langsam wieder öffneten, war TWO of Us nicht mehr dieselbe Band. Vielmehr kehrte ein deutlich gewachsenes Projekt zurück. Carsten Hein am Piano schob sich mit eleganten Linien zwischen Gesang und Gitarre. Uwe Riedel am Schlagzeug gab der Musik eine neue rhythmische Erdung. Gero Wallenfang – Multiinstrumentalist an Saxofon und Klavier – fügte dem bis dahin eher kammermusikalischen Klangbild unerwartete Farben hinzu.

Die vertrauten Songs gewannen spürbar an Energie, Klangtiefe und Raum für musikalische Feinheiten. Aus dem einst intimen Akustikabend entwickelte sich ein vielseitiges, fast schon clubtaugliches Konzertformat – seit Kurzem bereichert durch die soulige Stimme von Sängerin Christine Wloka.

The art of staying small

Trotz des gewachsenen Line-ups wirkt bei TWO of Us and Friends nichts zufällig. Die Band bleibt ihrer ursprünglichen Idee treu: keine spektakuläre Lichtshow, keine gigantische Bühnenproduktion, keine ironisch überhöhte Pop-Inszenierung. Stattdessen: akustisch geprägte Arrangements, die knapp genug sind, um Luft zu lassen.

Es sind die leisen Entscheidungen, die auffallen. Ein Saxofon-Solo, das nur so lange dauert, wie es etwas zu sagen hat. Ein Schlagzeug, das eher atmet als donnert. Ein Piano, das sich zurücknimmt, wenn die Stimme eine Zeile trägt, die man besser ungestört im Raum stehen lässt.

Man könnte sagen: TWO of Us and Friends sind eine Band, die gelernt hat, in einer Welt der Überproduktion mit Zurückhaltung aufzufallen.

A local story in a global age

In einer Zeit, in der sich selbst regionale Musiker oft als globale Marke inszenieren, wirkt TWO of Us and Friends fast altmodisch lokal. Ihre Spielorte sind keine internationalen Clubs, sondern Kulturhäuser, Stadtjubiläen, kleine Kinos, Kunstgalerien. Es sind Orte, an denen Musiker noch vor und nach dem Konzert mit den Gästen sprechen und deren Gesichter beim nächsten Auftritt wiedererkennen.

Das Publikum ist gemischt: Paare, die sich zu bekannten Balladen leise an den Händen halten; ältere Besucher, die den warmen Sound akustischer Instrumente den druckvollen Bässen der Großhallen vorziehen; jüngere Gäste, die merken, dass es etwas anderes ist, Musik nicht zu streamen, sondern im selben Raum zu erleben.

Die Konzerte von TWO of Us and Friends sind keine spektakulären Events, über die am nächsten Tag landesweit gesprochen wird, sie sind diese Abende, an die sich eine Stadt erinnert.

Und während draußen vielleicht nur ein weiterer Samstagabend im Ruhrgebiet vergeht, sitzen drinnen ein paar Dutzend Menschen zusammen, hören zu und wissen, dass sie diesen Moment nicht wieder vorspulen können.

Udo Schucker

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