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Guido

Träume in Stein gehauen

Er hat aus Stahl, Stein und Alltagsresten Dinge gemacht, die bleiben. Jetzt ist Guido Hofmann-Flick gestorben, und Bottrop verliert einen seiner talentiertesten, eigensinnigsten und herzlichsten Künstler. Ein Leben zwischen Meißel, Meilensteinen und Ruhrgebietsseele.

Es ist fast 30 Jahre her, dass ich dem Bildhauer und Materialplastiker Guido Hofmann-Flick das erste Mal begegnet bin. Ich glaube, Irmelin Sansen vom Bottroper Künstlerbund, dem auch Guido angehörte, hat uns damals miteinander bekannt gemacht.

Achteinhalb

Direkt bei unserer ersten Begegnung musste ich an Federico Fellinis legendären Film aus dem Jahr 1963 denken: „Achteinhalb“.

Die Hauptfigur, Guido Anselmi, ein Regisseur in einer Schaffenskrise, wird in diesem Film von seinem Filmteam, seiner Ehefrau, seiner Geliebten und Reportern verfolgt. Alle wollen Antworten und rufen: „Guido … Guido … Guido!“ Er kann nicht entfliehen, nur in Tagträume. Was sich bei mir manifestiert hat, ist der Klang der Stimmen: flehend, seufzend, hoffend.

Immer wenn ich Guido Hofmann traf, hörte ich diese Fellinischen Stimmen, die seinen Namen riefen. Auch jetzt, wo ich diesen Text schreibe.

Ein Kind des Ruhrgebiets, ein Hüter der Halden

Geboren 1964 in Essen, wuchs Guido Hofmann-Flick im Schatten von Hochofen und Krupp-Krankenhaus auf. „Ein Kind aus Essener Stahlguss“, wie er selbst einmal sagte. Später wurde Bottrop-Kirchhellen sein Zuhause, sein Atelier „Meilensteine“ an der Bottroper Straße 141 sein Rückzugsort und zugleich seine Bühne. Hier schuf er Skulpturen, die man anfassen und bestaunen kann.

Hofmann-Flick war Materialplastiker im wörtlichen Sinn: Er nahm, was da war – Stahl, Stein, Fundstücke –, und baute daraus Objekte, die oft mehr erzählten, als sie zeigten. Er restaurierte die Murmelbahn auf der Halde Haniel, unterstützte die Wiederkehr der Ibarrola-Totems, baute Skulpturen, die wie Sessel aussahen, aber aus Stein waren und trotzdem bequem.

Als freier Künstler schuf er zahlreiche Kunstwerke. „Brot-und-Butter-Arbeiten“ ebenso wie große Landmarken in Europa. Sein Herz aber hing an den Halden der Metropole Ruhr, besonders an der Halde Haniel.

2002 lernte er den baskischen Künstler Agustín Ibarrola kennen, wurde zu dessen Meisterschüler und engstem Wegbegleiter im Ruhrgebiet. Seitdem war er der „Hüter der Totems“: Er half bei der Aufstellung der 102 farbigen Bahnschwellen-Stelen, kümmerte sich um Pflege und Instandhaltung und organisierte aufwendige Restaurierungen, wenn Vandalen zuschlugen. Guido war bis zum letzten Atemzug ein Kämpfer. Für die Kunst, für das Skurrile, für das Schöne, für das Leben.

Über allen Gipfeln Ist Ruh

Mit Guido Hofmann-Flick verliert Bottrop nicht nur einen großartigen Künstler, sondern einen der wichtigsten Bewahrer einer Ruhrgebiets-Ikone. Die Totems auf der Halde Haniel bleiben, aber ihr Hüter schweigt. Wer künftig über die Halden wandert, wird an den Stelen entlanggehen, die Guido Hofmann mitgeschaffen, verteidigt und immer wieder neu aufgerichtet hat.

Und wenn der Wind an milden Abenden auf der Halde sanft durch die alten Eisenbahnschwellen weht, kann man vielleicht die Fellinischen Stimmen hören: „Guido … Guido … Guido!“

Nun kannst du aufatmen. Adieu.

Udo Schucker

Video mit Guido Hofmann-Flick: „GRÜN in unserer Stadt – 100 Jahre Bottrop“:
https://www.kuenstlerbund-bottrop.de/video-gruen-in-unsere-stadt/

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