Filmtipp: Belfast

„Belfast“ schildert den Nordirland-Konflikt aus der Sicht eines Kindes (Buddy) im Belfast des Jahres 1969.

Mich hat dieser Film sofort gepackt. Ich war Buddy. Obwohl ich nur im Bottrop der 1960er Jahre aufgewachsen bin und meine einzigen „Troubles“, die mit der Donnerberg-Bande waren, hat mich die Figur des Buddy sofort vereinnahmt.

© Universal Pictures International Germany GmbH

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In seinem autobiografisch geprägten Drama erzählt Kenneth Branagh die Geschichte eines 9-jährigen Jungen, der Ende der 1960er Jahre mit seiner Familie in der nordirischen Hauptstadt lebt. Sein Alltag in bescheidenen Verhältnissen ist von seiner liebevollen Familie geprägt, aber auch von der ständigen Angst vor neuen Gewaltausbrüchen. Der filmverrückte Junge verbringt viel Zeit im Kinosaal, wo er seine Sorgen vergisst.

Im Viertel des 9-jährigen Buddy ist eine Menge los. Menschen demonstrieren und prügeln sich. Eine Mauer wird errichtet, ein Nachbar kontrolliert, wer kommt und geht. Ehemalige Freunde sind plötzlich gegeneinander aufgebracht. Kaum hat der Junge noch mit dem Deckel des Mülleimers „Ritter“ gespielt, fliegen Steine. Buddy fühlt, wie besorgt seine Eltern sind, auch wenn er nicht alles versteht. Nur im Kino kann er alle Sorgen vergessen.

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In seinem wohl persönlichsten Film erzählt Schauspieler, Autor und Regisseur Kenneth Branagh von den Unruhen Ende der 1960er in seiner Heimatstadt Belfast. Er tut das konsequent aus der Sicht des kleinen Jungen in Schwarz-Weiß-Bildern. Geschichtliche Hintergründe werden ab und zu in Form von Fernsehnachrichten geliefert.

Es ist die subjektive Erzählung, die kindliche Erinnerung, die den Film so sehenswert macht. Eine Großmutter (Judi Dench) mit dicker Brille, die scheinbar alles durchschaut und treffend kommentiert. Ein Großvater, der seine Lebensweisheiten auf dem Plumpsklo von sich gibt. Und mittendrin Buddy.

Und so wie die Familie im Film hat sich die von Branagh den Ereignissen dann auch irgendwann entzogen, ging einfach fort und ließ die Trümmer von Belfast hinter sich. Man kann sich also denken, wo die Geschichte hingeht, aber sie ist so rührend und komisch zugleich, dass sie wirklich keine überraschende Auflösung braucht.

„Ein Herz, das nur eine Bestimmung kennt, wird zu Stein verzaubert“, so heißt es in einem Gedicht von William Butler Yeats über den Osteraufstand in Dublin von 1916. Dieser Film verzaubert, schenkt unseren versteinerten Herzen ein wenig Wärme in dieser kalten Zeit. Gucken!